Tief im Westen

01. August 2005

Im Gespräch mit Thorsten Legat

Pokalschrank: Ihre letzte Saison als aktiver Profi-Fußballer in der Bundesliga liegt mittlerweile gut vier Jahre zurück, was hat Thorsten Legat in der Zwischenzeit gemacht?

TL: Nach der Bekanntgabe unseres Arztes, dass ich Sportinvalide werde, ist mir natürlich der Himmel auf den Kopf gefallen. Das war ein ganz schönes Loch für mich, ich war ein Jahr lang nicht im Stadion – habe ein Jahr lang mit Fußball nichts am Hut gehabt und war froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt meine Frau und meine Kinder hatte. Andernfalls wäre ich heute nicht hier beim WSV Bochum (seit Sommer 2006 Trainer beim Bezirksligisten WSV Bochum; Anm. d. Red.), sondern in der Gosse, weil ich damit nicht recht fertig geworden bin. Das heißt, ich war nicht für meine Familie da, nicht für mich – für gar keinen. Ich habe mich einfach hängen lassen, ein Jahr lang und das ist schlimm. Aber meine Frau hat mich aufgepäppelt und vor vollendete Tatsachen gestellt. Es war für mich ein schwerer Gang, aber es gibt auch ein Profileben danach – als seriöser und realistischer Mensch.

„…ich plane eine Autobiographie, das wird ein Bestseller“

Und dann habe ich mir gesagt, du musst Trainer werden, was auch immer mein Traum war. Ich habe dann eine Umschulungsmaßnahme in Bremen unter Thomas Wolter und Thomas Schaaf gemacht, war im Jugendbereich tätig und habe für eineinhalb Jahre die U15 übernommen, dann die U19 mit Dieter Eilts, der jetzt Trainer der U21 ist. Anschließend hätte ich die U17 übernehmen sollen – und müssen, aber ein persönlicher Schicksalsschlag ließ mich wieder in ein Loch fallen. Ich habe mich wieder hängen lassen, hatte nichts mehr mit Fußball am Hut und wollte alles von heute auf morgen aufgeben. Aber wieder hat mich meine Frau zur Besinnung gebracht und gesagt, ich solle auf Basis meiner B- und A-Lizenz meinen Fußballlehrer machen. In diesem Sommer habe ich dann das Angebot vom WSV Bochum bekommen und die Chance genutzt, mich vernünftig und seriös hochzuarbeiten – irgendwann wird schon jemand auf mich aufmerksam.
Außerdem plane ich eine Autobiographie, das wird ein Bestseller. Wenn Effenberg das macht, kann ich das schon lange machen. Da kommt die Wahrheit bei einigen Leuten ans Tageslicht – ich habe nichts mehr zu verlieren.

Pokalschrank: Wie war die Zusammenarbeit mit Dieter Eilts?

TL: Dieter und ich unterscheiden uns natürlich wie Tag und Nacht. Er wurde ja damals auch ins kalte Wasser geschmissen, ist nach der Europameisterschaft ohne Trainingseinheiten, bzw. einem Job als Trainer in die U19 geworfen worden. Ich bin dann dazu gestoßen. Dieter war hauptverantwortlich, trat aber nach einem Jahr wegen Erfolglosigkeit zurück. Dann bot ihm der DFB das Traineramt bei der U21 an, wo er sehr erfolgreich ist – was mich und viele andere sehr überrascht hat.

Pokalschrank: Haben Sie konkrete Pläne für eine (Trainer-) Zukunft?

TL: Nach dem Erwerb der B- und A-Lizenz muss ich jetzt ein Jahr lang eine erfolgreiche Arbeit im Seniorenbereich nachweisen. Und im Februar 2007 werde ich dann an der Sporthochschule Köln, bei Erich Rutemöller, meine Aufgabe angehen – das wird ein Highlight. Wenn ich den Trainerschein dann erhalte, habe ich natürlich hervorragende Voraussetzungen und kann aufgrund meiner bis dahin gesammelten Erfahrung anschließend auch etwas fordern. Und nicht zuletzt steigt natürlich meine Popularität. Es ist zwar noch ein harter und langer Weg bis dahin, aber ich werde ihn erfolgreich gehen.

Pokalschrank: Wie war das Gefühl am ersten Arbeitstag als Trainer beim WSV?

TL: Na ja, da bin ich ja schon ein kleiner Fuchs, das ist ja schon meine zweite Station nach der U19. Es ist natürlich hier im Seniorenbereich etwas anderes. Aber ich bin eingestiegen und habe mir gesagt, du musst arbeiten, arbeiten, arbeiten, um deine Lizenzen zu bekommen. Für mich aber keine schwierige Aufgabe und die Statistik gibt mir Recht: Wir stehen an erster Stelle, meine Jungs haben erst ein Spiel verloren und das Ziel ist der Aufstieg in die Landesliga – das ist die Vorgabe, mein Konzept.
Ich bin nicht hier hergekommen, um in der Bezirksliga zu bleiben, man hat mich geholt, um den Aufstieg zu schaffen. Und dann hat man mich machen lassen – es mischt sich hier auch niemand ein. Das ist hier eben Breitensport, aber durch mein tagtägliches Auftreten setze ich mich auch für die Mannschaft ein, das ist hier ein „Wir-Gefühl“, die Jungs sprechen mich als Trainer, Freund und Vater an.

„…Michael Ballack hat sich das alles selbst erarbeitet“

Pokalschrank: Ein Sprung ins aktuelle Bundesliga-Geschehen: Thema Ballack und Vertragsverhandlungen: Soll er in der Bundesliga bleiben?

TL: Ballack ist ein Superstar, ich habe ja gegen ihn gespielt als er noch etwas jünger war – in Kaiserslautern und Leverkusen. Also das, was ich den letzten Jahren von ihm gesehen habe war schon klasse. Er hat anderen gegenüber natürlich einen riesigen Vorteil – er ist beidfüssig, kann antizipieren und ist ein Spielbestimmender Mann in der Bundesliga. Alles guckt jetzt natürlich auf Ihn, aber Michael Ballack hat sich das alles selbst erarbeitet. Das ist jetzt natürlich ein gewisses Taktieren von ihm – das macht jeder, das habe ich auch gemacht bei Vertragsverhandlungen, bei mir waren auch andere Vereine hinterher.
Aber man muss auch überlegen, ob das jetzt Sinn macht. Er spielt nun mal bei einem renommierten Club, er könnte auch sechs oder acht Millionen da verdienen. Da stellt sich die Frage nach der Geldgier – heute ist es einfach nur das rein finanzielle Problem. Manche kriegen den Hals nicht voll, dann sollen sie auch machen, was sie wollen. Für mich ist das eine Lappalie, er spielt in einem renommierten Club – jeder andere wäre froh, wenn er da spielen könnte. Für mich ist Bayern das non plus ultra, und er… na gut. Man sieht es an seiner Mimik und seinen Gesten in Interviews – er tut immer so cool. Aber ich denke, er ist mit dem Herzen bei Bayern und will auch gar nicht weg, er möchte sich nur ein bisschen populärer machen.

„Das ist doch schon Krieg, was da veranstaltet wird“

Pokalschrank: Stichworte „bittere Entwicklung auf dem Fußballfeld“ – abgesehen von den Fans gab es in letzter Zeit Partien, in denen die Spieler selbst zu äußerst unfairen Mitteln gegriffen haben: Sanktionsmaßnahmen des DFB bzw. der FIFA, Beispiel Qualifikations – Playoff Türkei gegen Schweiz – ihre Meinung?

TL: Als ich noch aktiv war, da hieß es immer: „Oh, der Legat-Rambo kommt wieder, der hat wieder Dummheiten gemacht“. Aber jetzt sind Leute wie Legat, Effenberg oder Basler von der Bildfläche verschwunden. Es ist doch heute viel schlimmer geworden, dagegen ist das doch Peanuts was damals passiert ist. Das ist doch schon Krieg, was da veranstaltet wird – Krieg zwischen der Türkei und der Schweiz. Was soll das denn – diese Ausschreitungen? Das ist doch hirnverbrand, so etwas müsste man verbieten und mit einer Platzsperre von drei, vier Jahren bestrafen – ganz ehrlich.
Und was momentan unter den Fans abläuft – wo führt das denn hin? Stellen Sie sich vor der Hamburger Spieler verliert sein Augenlicht. Diese Menschen können doch nicht bis zwei zählen, da muss der DFB ganz schnell was machen! Schließlich haben wir nächstes Jahr WM im eigenen Land, da muss man stilvoll auftreten, solche Dinge muss man unterbinden, das ist einfach nur asozial.
Ich kann doch keinem anderen Menschen hier auf de Straße so einen Stock ins Auge schmeißen, da werde ich doch verhaftet – warum der nicht? Der bekommt eine Stadionsperre von fünf Jahren oder auf Lebenszeit – aber mehr nicht, lächerlich!

„Dem müsste man die Lizenz entziehen – auf Lebenszeit“

Pokalschrank: …ein Sprung an den Spielfeldrand: Norbert Meier…

TL: Wie gut, dass Sie mich das fragen. Glauben Sie doch mal eines: Wenn das ein Legat, Basler oder Effenberg gemacht hätte, was meinen Sie was da los gewesen wäre? Dieser Mann hat einen Ehrenkodex, der muss sich vorbildlicher benehmen! Der haut dem Jungen vor den Kopf und lässt sich fallen – was soll denn der Blödsinn? Der soll sich schämen! Der ist nicht anders: letztes Jahr in Bremen beim Spiel zwischen den Traditionsmannschaften des SV Werder und dem VfL Bochum haut der Meier dem Holger Aden mitten im Spiel ins Gesicht.
Norbert Meier ist für mich ein unsympathischer Mensch, der keinen Anstand hat als Fußballlehrer. Dem müsste man die Lizenz entziehen – auf Lebenszeit! Das ist empörend, das ist unsportlich, das gehört nicht in die Bundesliga! So etwas kann er bei sich zu hause in Bremen machen. Ganz ehrlich, darüber rege ich mich auf. Ich als Fuzzi, der hier arbeitet, behandele meine Spieler und die ganzen Mannschaften seriöser und anständiger als dieser Mann vor einem Millionenpublikum. So etwas besitzt die Fußballlehrer-Lizenz… Das schlimme ist ja, dass ihm die Bilder nachher noch mal vorgespielt wurden und er trotzdem so einen Unsinn erzählt hat – darüber rege ich mich am meisten auf. Da bezahlen einige für die Eintrittskarte 45€ und müssen sich so einen Scheiß angucken! Da sage ich einfach: Entzieht diesem Mann die Lizenz, da gibt es keine Entschuldigung! Der hat solche Ausraster – der ist so, ich kenne den Norbert Meier, da nehme ich ihn auch nicht in Schutz.
Genau wie damals Werner Lorant, als er in Ahlen einen weggeklatscht hat – wo sind wir denn hier, sind die alle verrückt? In der Bundesliga muss man respekt- und stilvoll auftreten, so etwas macht man nicht – unglaublich!

„Hier ist Ruhrpott – hier, tief im Westen, da gibt es nur eins: Malochen“

Pokalschrank: Ihre Spielstationen…angefangen beim VfL Bochum: Ist die Personaldecke des Vereins dick genug, um sich nach einem möglichen Wiederaufstieg in der 1. Liga zu halten?

TL: Nein, auf keinen Fall! Ich gönne dem VfL den Wiederaufstieg von ganzem Herzen – für die Region und die Zuschauer wäre es wichtig. Aber mit dem Personal können sie sich direkt wieder in der 2. Liga vorstellen! Die sind zu schwach, die haben zuviel Defensive im zentralen Mittelfeld, auch vorne – das ist ja eine Frechheit. ich bin mit Leib und Seele Bochumer, aber das was man da sieht…also ehrlich! Wenn ich den Misimovic sehe, der Fähigkeiten hat wie ein Ballack, sie aber nicht ausschöpft sondern da rumturnt, als wenn er hier den Freigrafen Damm hoch und runter läuft – das geht ja gar nicht! Was der für Möglichkeiten hat…der ist 22, der muss sich mal den Arsch aufreißen!
Hier ist Ruhrpott – hier, tief im Westen, da gibt es nur eins: Malochen. Ich kriege die Krätze, wenn ich da oben auf der Tribüne sitze. Ich freu mich immer ins Stadion zu gehen, weil ich denke da spielt ein Thorsten Legat irgendwo, aber da gibt es keinen. Da ist keiner, der die Linie rauf und runter läuft, oder aus dem Lauf mal eine Flanke schlägt. Wenn ich das da heute immer sehe – diese Stehfußballer, ohne Mumm und ohne Herz spielen die! Fußball ist ein Mannschaftssport und Fußball ist nur eines: laufen, kämpfen, Tore machen! Ich weiß nicht woran es liegt?

Pokalschrank: …also nicht am Trainer, sondern an der Einstellung der Spieler?

TL: Also, ich bin doch kein Rassist, wir sind doch alle Ausländer, aber haben die irgendwo einen eingefleischten Bochumer in der Mannschaft? Außer Frank Heinemann, der als Co-Trainer auf der Bank sitzt. Da hapert es doch, da fängt es doch schon an. Du hast keine Leute mehr, die dich mitreißen, so wie früher ein Thomas Kempe, Lothar Woelk, Ata Lameck oder Thorsten Legat – die gesagt haben: „auf, jetzt geht es zur Sache“! Ich bin damals mit Volldampf von der Mittellinie bis zur Torauslinie gerannt, habe geflankt oder geschossen oder mal einen Doppelpass gespielt – kämpfen, das ist doch nichts Schweres! Heute wollen die den achtfachen Rittberger machen und… spielt doch einfach Fußball: Kurzpass – Doppelpass – Tor! Das gibt es doch heute gar nicht mehr.

„Wir sind eine Familie, das ist Freundschaft…“

Pokalschrank: Sie erwähnten gerade die „alten“ Kollegen, haben Sie noch Kontakt?

TL: Jedes Jahr am 14. Dezember treffen wir uns mit der alten Garde von 1988 – Dieter Bast, Schreier, Hermann Gerland sind auch dabei. Das ist für mich ein riesengroßes Ereignis – das ist einfach ein Highlight für mich. Wenn ich die heute sehe, wie sie einen ansprechen – früher war man noch ein Junge von 16 oder 17 Jahren – das ist schon fantastisch. Wir sind eine Familie, das ist Freundschaft, fragen Sie mal wo es das heute noch gibt! Der Zusammenhalt, das Miteinander, das Kollektiv – das fehlt doch heute alles.

Pokalschrank: Eine weitere Station von Ihnen war der VfB Stuttgart: VfB und Trappattoni – wie lange geht das gut?

TL: Man muss sich erstmal die Frage stellen, ob Trappattoni da überhaupt reinpasst? Ich glaube einige wissen immer noch nicht, dass Trapp ein Erfolgstrainer ist, der eine ganz andere Vorstellung vom Fußball hat – der zelebriert den Fußball. Ich kenne ihn zwar nicht, aber ich studiere die Trainer heutzutage. Trapp, wenn dem irgendetwas nicht passt, tüftelt der schon wieder an einer neuen Taktik und an einem neuen System rum. Der ist positiv verrückt, der lebt für den Fußball. Man sieht es an der Art und Weise, wie die Stuttgarter Fußball spielen: das ist die Handschrift von Trappattoni, das ist optimal. Hoffentlich wachen die Stuttgarter jetzt endlich mal auf, denn die gehören da nicht hin, die gehören nach oben – unter die ersten Drei.

Pokalschrank: Nächste Station Bremen – was fehlt Werder, um dauerhaft mit dem FC Bayern Schritt zu halten?

TL: Ich war drei Jahre in Bremen und muss sagen, die Art und Weise wie sie dort unter Thomas Schaaf Fußball spielen ist genial. Woran hapert es noch? Man hat es bei der 3:1 Niederlage in Bayern gesehen – spielerisch halten die immer mit, können auch immer dagegen halten, aber sie haben nicht die gehobene Klasse eines FC Bayern, um noch eine Schüppe draufzulegen. Die Mannschaft ist ja noch relativ jung, die haben zwar erfahrene Spieler, wie Micoud, aber ich denke in den nächsten zwei, drei Jahren macht der Thomas Schaaf aus Bremen eine richtige Meistertruppe – eine auch international große Truppe – wenn der Kader bestehen bleibt.

„Die sind ja geschmückt wie ein Tannebaum“

Pokalschrank: …also die Hoffnung auf einen spannenden Titelkampf in den nächsten Jahren ist berechtigt?

TL: Auf jeden Fall, man muss allerdings berücksichtigen, was die Münchener im Moment für einen Lauf haben – das ist ja sensationell. Die sind ja geschmückt wie ein Tannebaum, die haben ja Spielfähigkeiten – das ist unglaublich. Die können ja zwei Mannschaften aufmachen, wenn sie wollen – und trotzdem wären die noch besser als Schalke. Aber Bremen wird in absehbarer Zeit eine internationale Top-Truppe werden.

Pokalschrank: …und der Hamburger SV..?

TL: Thomas Doll ist absolut auf dem richtigen Weg. Seine Eigenschaften als Fußballer zelebriert er jetzt als Trainer. Und Thomas ist gereift – nicht zuletzt weil er vorher die Hamburger in der Regionalliga übernommen hatte. Ich kenne ihn ja auch gut, habe in Frankfurt mit ihm zusammen gespielt. Das ist ein Mensch, der den Fußball belebt, weil er durch seine Art und Weise nicht so hochnäsig wirkt, wie die anderen Trainer. Das ist ein einfacher Mensch, man hört es an seiner Ausdrucksweise, an seiner Sprache. Er will in seinen Interviews kurz und bündig das beschreiben, was auf dem Platz passiert. Er ist stabil mit seiner Mannschaft und bringt strukturelle Veränderungen hervor, er hat den Barbaretz wieder fünf Jahre jünger gemacht – der hat ja seinen dritten Frühling – das ist Thomas Doll’s Handschrift. Hamburg wird auch nächstes Jahr wieder ganz oben mitspielen – alleine durch van der Vaart. Das ist eine Augenweide dem zuzuschauen – ich habe noch nie so einen guten Fußballspieler gesehen.

„Deutschland ist und bleibt eine Kampftruppe…“

Pokalschrank: Wo landet die deutsche Nationalmannschaft nächstes Jahr bei der WM?

TL: Gute Frage… man muss immer berücksichtigen, dass Deutschland an seiner Kampfkraft gemessen wird, an seiner Turnierfähigkeit. Ich denke mal, da zeigt sich Deutschland wieder von seiner besten Seite: kämpfen, rennen und fighten. Alles andere ist indiskutabel. Zeigen Sie mir doch ein Beispiel wo Deutschland brilliert hat und technisch überzeugt hat, außer vielleicht 1990 in Italien. Trotzdem: Deutschland ist und bleibt eine Kampftruppe, eine Turniertruppe – das wird sich immer bestätigen.

Pokalschrank: …und wie weit kommen wir mit diesen Qualitäten nächstes Jahr?

TL: Tja, diese Frage stellt sich wohl jeder. Die Nationalmannschaft ist gefestigt und für jede internationale Mannschaft auf diesem Kontinent gewappnet. Aber der Jürgen Klinsmann muss sich so langsam mal Gedanken wegen des unsinnigen Rotationssystems machen: Das ist ja ein Verwirrspiel, also ich würde das nicht mitmachen. Das ist klar, dass der Oliver Kahn lacht, wenn er gefragt wird wer bei der WM im Tor steht. Der weiß jetzt schon, dass er spielt – was soll denn der Blödsinn? Man muss sich jetzt schon auf eine Mannschaft festlegen.

„Ich würde ja auch Tacheles reden, wenn er eine Birne wäre…

Pokalschrank: Also die Sache ist entschieden, Lehmann braucht sich keine Hoffnungen mehr zu machen?

TL: Selbstverständlich ist das entschieden, als der Klinsmann mit der Rotation anfing, dachte ich: was macht der? Der kann doch keinen Olli Kahn hinhalten, auf Deutsch gesagt „der scheißt ihm einen Haufen“. Der ist Spieler des FC Bayern, und Beckenbauer im Hintergrund… das geht nicht, das kann ich mir nicht vorstellen. Der hat keine Lobby, aber er ist der beste Torwart, wir haben keinen Besseren. Ich würde ja auch Tacheles reden, wenn er eine Birne wäre und der Lehmann wäre gut. OK, der hat mal ein paar gute Bälle gehalten, aber die Konstanz fehlt, da ist der Kahn jetzt über Jahre top.

Pokalschrank: Wie bewerten sie generell die Arbeit des Dreigestirns „Klinsmann – Löw – Bierhoff“?

TL: Mit einem Lächeln sage ich: da wird sich in absehbarer zeit was tun. Das sind drei attraktive Leute, die Fußballdeutschland gedient haben. Na ja, der Löw hat zwar noch nicht einmal für Deutschland gespielt, aber er ist natürlich jemand, der viel Erfahrungswerte mitbringt. Ich kenne ihn noch von damals, er war mein Trainer bei Stuttgart. Er ist ein hervorragender Mensch, der hat so viel Wissen und Fachkompetenz, das kann sich keiner vorstellen. Mich hat es gefreut, dass der Jürgen Klinsmann mit ihm zusammen arbeitet. Und ich denke mal da wird sich noch was ändern, dumm sind die ja alle nicht – also was die bis jetzt schon bewegt haben… Gut, dass ist jetzt alles nicht jedermanns Sache, ich habe auch was dagegen. Diese blöde Rotation und diese amerikanischen Verfahren, und diese ganzen Tests, ob das alles so gut ist…? Mal sehen, der DFB hat sich da schon irgendwas einfallen lassen.

Zur Person:
Thorsten Legat, geboren am 07. November 1968 in Bochum, war 15 Jahre lang als Profi-Fußballer aktiv. Von 1986 bis 1991 spielte er beim VfL Bochum und wurde zweiter im DFB-Pokal 1988. 1991 wechselte er für drei Jahre zum SV Werder Bremen, wo er 1992 den Pokal der Pokalsieger gewann, 1993 deutscher Meister wurde und 1994 den DFB-Pokal gewann. Dann folgte eine Spielzeit bei Eintracht Frankfurt, bevor Legat 1995 zum VfB Stuttgart wechselte. Dort spielte er bis 1999 und wurde 1997 mit den Schwaben DFB-Pokal Sieger. Im Jahre 1999 läutete er bei Schalke 04 seine letzten beiden Spielzeiten als Profi ein und wurde im Jahre 2001 mit den Königsblauen Vize-Meister und DFB-Pokal Sieger.